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Abenteuer Musik!

 

 

Festivalgründer und Bariton Florian Prey gibt einen Ausblick auf das Kleine Sommerfestival in der Gautinger Remise 2015

 

 

 

- Herr Prey, wie lautet Ihre Bilanz des Kleinen Sommerfestivals in der Gautinger Remise vom letzten Jahr?

Wir hatten insgesamt etwa 1.400 Zuhörer, bei einer Anzahl von 23 Veranstaltungen. Natürlich freuen wir uns, wenn noch mehr Menschen in unseren wunderbaren Konzertsaal mit seiner fantastischen Akustik kämen … und in den Pausen durch den magischen und mystischen Park schlendern. Dinge wurden im Gebäude verändert, die man auf den ersten Blick nicht gleich sieht oder für so selbstverständlich hält, dass man sie nicht mehr wahrnimmt. Und die für uns dennoch einen großen Aufwand bedeutet haben. Der Boden wurde bearbeitet und wird nun noch mal grundiert und eingelassen, damit er nicht so staubt. Die sanitären Anlagen sind jetzt fast fertig. Besonders freue ich mich auf die beiden großen Holztore mit ihren handgeschmiedeten Beschlägen und Schlössern …

 

… die sich nun vom 10. Mai bis zum 12. Juli für die siebte Ausgabe des Festivals öffnen werden.

Ja. 15 Konzerte und vier Filme, ein Theaterstück, eine Buchpräsentation haben wir diesmal im Programm: klassische Musik ist darunter, Chormusik, Kammermusik aber auch Schlager, Jazz und sogar Rock. Am Muttertag starten wir mit einem sehr abwechslungsreichen Programm, einer musikalischen Zeitreise: ‚Ludwig Thoma trifft Rudi Schuricke’. Thoma kennt wohl jeder, und vielleicht auch den Berliner Schuricke. In den 1930-er und 1940-er Jahren war er ein wunderbarer Schlagersänger … (singt) Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt … Das kennen Sie bestimmt. Inszeniert wird die Begegnung der beiden, die sich regelmäßig im Münchner Cafe Luitpold trafen, von Schurickes Neffen, dem Regisseur und Tenor Götz Schuricke.

 

- An Christi Himmelfahrt kommt die Pianistin Aglaya Sintschenko nach Gauting …

… mit der Bratschistin Julia Rebekka Adler, Mitglied der Münchner Philharmoniker und mehrfache Preisträgerin internationaler Wettbewerbe, und der Sopranistin Swetlana Scheurell; eine interessante Mischung, finde ich. „Meisterhaftes aus Russland“ hat Aglaya Sintschenko, die aus St. Petersburg stammt, im Gepäck. Werke von Tschaikowskij, Rimskij-Korsakow, Rachmaninow, Glinka und anderen.

 

- Mit dem renommierten Diogenes Quartett und dem Münchner Bläserquintett setzen Sie zwei interessante Kammermusikakzente.

Erstere werden einen Abend ganz im Zeichen von Franz Schubert geben. Das Bläserquintett wiederum, das sich aus Musikern des Münchner Rundfunkorchesters zusammensetzt, wird in seiner Matinée "Fünffach Holz!" Werke von Mozart, Reicha, Nielssen und Kreutzer aufführen. 

 

- Chöre sind im Festival traditionell prominent vertreten. „Zwitschern, brillieren, singen…“ nennen Sie das Chorkonzert mit dem Münchner Knabenchor …

… unter seinem Leiter Ralf Ludewig. Ralf, vielleicht kannst Du selbst etwas dazu sagen?

Ralf Ludewig: Ich freue mich hier zu sein, nicht nur weil ich Wahl-Gautinger bin, sondern weil ich erstmals den Münchner Knabenchor präsentieren darf, den ich im September gegründet habe mit etwa 45 Knaben, Kindern aus Gauting und der Region. Ich selbst bin im Tölzer Knabenchor aufgewachsen und habe ihn bis vor kurzem geleitet, als Vorgänger von Christian Fliegner …

 

… den Sie, Herr Prey, auch zum Festival eingeladen haben.

Florian Prey: Ja. Die „Tölzer“ sind schon fester Bestandteil des Festivals. Nachdem Ralf seinen eigenen Chor gründete, habe ich für unser Festival nun zwei Chöre. Während der Tölzer Knabenchor geistliche Chormusik von Bach und Schubert singen wird, präsentiert Ralfs neue Truppe eine musikalische Zeitreise durch sämtliche Stilrichtungen und Epochen, von Mozart bis Abba, von Bach bis zu den Beatles. Das ist ein wunderbarer Ausgleich. Die Jungens haben richtig Power.

 

- Power hat gewiss auch der Münchner Jazzchor Voices in Time.

Da wird’s swingen und grooven und rocken, das ist starke Chormusik am Puls der Zeit! Man sagt, dass dieser Chor momentan der beste Jazz-Chor in Deutschland ist.

 

- Wie immer setzt das Festival auf junge Talente. Julia Fischers Mutter, die Klavierpädagogin Viera Fischer, wird ihre Klavierklasse vorstellen. Und der Pianistenclub e.V. um Bernd Schmidt präsentiert seine „Jungen Überflieger“…

… ich nenne sie immer Wunderkinder, es ist ja ein Wunder, wenn ein zehnjähriges Mädchen sich ans Klavier setzt und eine hochkomplexe Beethoven-Sonate spielt. Der Pianistenclub veranstaltet ferner im Juli noch ein Festkonzert, das ich „Only Mozart“ nannte, weil – zusammen mit einem Streichorchester – drei Klavierkonzerte von Mozart aufgeführt werden. Und dann gibt es noch die Jugendabteilung der vier Klangkörper der Bayerischen Philharmonie, die das Abschlusskonzert gestalten werden. Die zwei etwas größeren Wunderkinder …

 

… die Geigerin Lena Neudauer und der Geiger Ingolf Turban, der übrigens die Gautinger Remise stets den ‚schönsten Kammermusiksaal’ nennt, den er kennt…

… werden erneut hier auftreten. Ich finde es toll, dass die beiden sich gefunden haben. „Achtsaitige Virtuosität“ und ein spannendes individuelles Programm versprechen die Werke von Leclair, Spohr, Reger und Ysaye.

 

- Außerdem wird es eine Buchpräsentation in der Buchhandlung Kirchheim geben.

‚Musik und Menschlichkeit’ hat Adolph Kurt Böhm sein Buch genannt. Er ist Komponist, hat fast 500 Lieder komponiert, von denen ich einige gesungen habe. Er ist Schriftsteller, Maler und regelmäßiger Besucher unseres Festivals, eine sehr schillernde und spannende Persönlichkeit. Als Junge musste er nach Paris fliehen, weil der Vater Jude war. Da er gut zeichnen konnte, fälschte er jüdische Pässe, rettete etlichen Juden das Leben und brachte sich selbst in Lebensgefahr.

 

- Geplant ist auch die Kunstausstellung „Dreisicht“…

… mit Künstlern aus dem Allgäu, in der wunderschönen Wallfahrtskirche in Forstinning. Sie läuft über die Pfingstferien, in einem Zeitraum, wo wir keine Konzerte geben. Dennoch wird die Pianistin Sophie Pacini eine Klaviermatinee zur Finissage der Ausstellung geben …

 

 … die Sie „Göttliches am alten Blüthner“ nennen.

Unser Blüthner-Flügel ist bestimmt 130 Jahre alt, doch man kann immer noch traumhaft darauf spielen. Die alte Mechanik funktioniert noch bestens, das Saitenwerk ist so stabil, das man ihn kaum zu stimmen braucht, das ganze Jahr über nicht. Und von seinen Klang-Farben her ist er für unsere Remise bestens geeignet. Für einen Sänger ist so ein Instrument das Nonplusultra.

 

- Auch Sie treten wieder auf, in der Heine- und Eichendorff-Matinee „Lieder und Geschichten I“. An Ihrer Seite der Pianist Wolfgang Leibnitz.

Wir machen ein Programm mit romantischen Liedern und Dichtern, die keine Dichter der Heimat waren, sondern des Heimwehs. Dies am Vormittag dieses Sonntages. Am Abend gibt es ein Kontrastprogramm …

 

- …mit „Liedern und Geschichten II“ aus Spanien, Cuentos del Sur …

… aus Spaniens Tavernen und Gassen, mit rassigem Flamenco, andalusischen Volksliedern und Ricardo Volkert als Sänger und Gitarrist und Jost Hecker am Cello. Da wird es abgehen.

 

- Getanzt werden darf buchstäblich am 18. Juni mit „Veronika der Lenz ist da!“

… und dem Kleinen Tanztee-Syndikat. Hier darf wirklich „geschwoft“ (getanzt) werden zu Schlagern, Tanzmusiken aus den Zwanzigern und Evergreens. Der Pianist Walter Erpf ist ein absoluter Experte, er hat eine riesige Sammlung an Schellack Aufnahmen, Grammophonen und vor allen Dingen die Noten aus dieser Zeit.

 

- „Jazz vom Feinsten“ gibt es auch.

Im Sextett mit Frank Wuppinger. Frank, der Komponist und Gitarrist ist, ist ein Gautinger, wohnt aber jetzt in Nürnberg und kommt mit seinen Leuten hierher, was mich sehr freut. Sie haben einen ganz individuellen Stil, mischen Jazz mit Folklore, Klassik und Weltmusik.

 

- Vier Filme werden Sie diesmal im Rahmen des Festivals präsentieren.

Von Anfang an haben wir neben den Konzerten immer auch Filme gezeigt. Die Stimmung hier um 9 Uhr abends in einer lauen Sommernacht ist eine ganz besondere. Da ist die große Leinwand … und ein paar Kerzen im Raum … das hat schon was. Diesmal fangen wir mit dem „Letzten Mann“ an, ein wunderbarer Film mit Romy Schneider und Hans Albers in Schwarz-Weiß. Er stammt von 1955, jener Zeit, als Romy Schneider durch die Sissi-Filme berühmt wurde. Er handelt von einem großen Hotel, das den Bach hinuntergeht, Hans Albers spielt den Oberkellner, Romy Schneider die Tochter des Besitzers – der Film ist ein Remake des Stummfilms von Friedrich Wilhelm Murnau von 1924.

 

- Für Stummfilme haben Sie, der selbst Filme drehte und Drehbücher geschrieben hat, ein besonderes Faible.

Oh ja! Ich bin ja ein Stummfilmfan, diese starken Bilder, dieses Spiel mit Schatten und Licht. Diese Art eine Geschichte darzustellen, ohne Bla-Bla, ohne Lärm, ohne Geräusche. Und dann die richtige emotionale Musik dazu! Das finde ich großartig und berührt mich und bin immer auf der Suche nach ausgefallenen und interessanten Produktionen für das Festival.

 

- Wie etwa der spanische Stummfilm ‚Blancanieves’ (Schneewittchen) von Pablo Berger, den Sie ebenfalls präsentieren. Der stammt allerdings von 2012.

Ja. Ist das nicht erstaunlich? Offenbar reizt die Gattung immer noch manche Regisseure. Schneewittchen wird im Spanien der zwanziger Jahre angesiedelt, als Tochter eines berühmten Matadors, mit einer bösen Stiefmutter. Das Ganze ist hochinteressant inszeniert, es gibt Stierkämpfe und kleinwüchsige Toreros, die die Zwerge des Märchens darstellen. Dazu wunderbare Bilder, wunderschöne Menschen, die großartig fotografiert wurden!

 

- In ein anderes Milieu führt der Film ‚Die Atlantikschwimmer’ von Herbert Achternbusch.

Da ist eine alte Erinnerung in mir, die da aufleuchtet. Ich war damals vierzehn Jahre alt und bei der Uraufführung im alten Gasthof zum „Würmbad“, einen Steinwurf von der Remise entfernt, dabei. Der Saal war voll bis auf den letzten Platz, und ein älterer Herr, der übrigens auch im Film mittspielte, musizierte auf seiner „Quetschkommode“. Ich war fasziniert. Wenn ich jemanden finden würde, der das bei unserer Aufführung spielen kann, dann würde ich ihn sofort einladen.

 

- Und last but not least „Queen of the sun”.

Das ist ein aktueller Dokumentarfilm von Taggart Siegel über die Bienen. Unter dieses Motto möchten wir unser gesamtes Festival stellen. Der Film erinnert daran, wie wichtig die Bienen für uns Menschen sind und wie sehr sie heute durch Monokulturen und Pestizide in Gefahr sind. Bereits Konfuzius wusste: „Willst Du ein Leben glücklich sein – bebaue einen Garten und halte Bienen darin!“ Und Albert Einstein wusste es noch besser, als er sagte: „Wenn die Biene von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.“

 

 

© 2015 Teresa Pieschacón Raphael

vom 20. Mai - 9. Juli 2017
info@remise-schloss-fussberg.de